Die Geschichte des Adlers

 

Adler-Wappen mit KircheZu den ältesten Wirtshausnamen gehört der „Adler“ er geht bis auf die römische Sitte zurück, Häuser mit Namen zu versehen. Der Adler war das Symbol des römischen  Imperiums das von Roms Legionen in alle Welt getragen wurde. Mit einiger Fantasie könnte man diesen Faden weiter spinnen bis zum St. Peter dem Patron unserer Kirche, denn Peterskirchen sind sehr alte Kirchen und gehen oft auf römische Gründung zurück. Dass das Gasthaus am Ende der „Alten Straße“ und am Beginn des „Hauweges“ liegt regt die Fantasie an, denn der Hauweag hat seine Bezeichnung nach dem „Hohen Weg“ und diesen Namen erhielten oft Wege die einen römischen Ursprung haben, denn die Römer waren es die die Wege mit einer erhöhten Vorlage versahen. Diese aufgeschütteten Wege erhoben sich dadurch über das normale Niveau anderer Straßen oder Wege. Der Dettinger Hauweag führt über die uralte Steige in der Brandhalde genau nach Norden, nach Port dem römischen Pforzheim, nach Süden führt sie über die Alte Kirchsteige, Priorberg, Sulz, ins römische Rottweil. Übrigens wurde an der Mündung des Dießenbaches, römisches Spielzeug gefunden.

Ein Gasthaus hatte während des Mittelalters noch den allgemeinen Namen des Hospitum
(Gasthaus) oder Herberge. Später, mit dem Wachsen der Städte, reichte diese Bezeichnung nicht mehr aus. Bei der Auswahl von Gasthausnamen spielte das mittelalterliche Weltbild eine große Rolle. Das Denken der Menschen war stark christlich geprägt und christliche Normen bestimmten den größten Teil des Lebens. Christliche Symbole waren damals jedem bekannt, jeder wusste sie zu deuten, vor allem auch Fremde- Kaufleute und Pilger. Oft waren es Menschen die die Landessprache nicht, oder nur wenig beherrschten. Bei der damals abenteuerlichen Art des Lebens und vor allem des Reisens, wurden durch die christlichen Symbole den Reisenden signalisiert, dass in diesem Haus die Gastfreundschaft auf den christlichen Grundlagen beruht und vermittelte damit einen Hauch Vertrautheit und Sicherheit. Dies war in der damaligen Zeit noch viel wichtiger als heute. Aus diesem Grund bilden die religiös – christlichen Symbole die bedeutendere Schicht. Die Symbole der vier Evangelisten kommen dabei am häufigsten vor. Markus wurde symbolisiert mit dem Löwe, Lukas mit dem Stier, Matthäus mit dem Engel und schließlich ist der Adler das Attribut des Johannes.

Doch kann man die Wirtshausbezeichnung Adler auch auf die einstigen Ortsherren von
Muri zurückführen. Die Äbte dieses Schweizer Klosters waren seit jeher den Habsburgern
freundlich. Die Habsburger führen den Doppeladler in ihrem Schild. Die Stadt Horb war lange Zeit unter Habsburger Herrschaft und die Herren von Muri besaßen ein Haus auf dem Horber Marktplatz. Der Habsburger Doppeladler ziert dort heute noch das Rathaus. Jetzt haben wir eine ganze Menge an Möglichkeiten und jeder darf sich seine eigene herausbilden, denn etwas genaues weiß man nie.

Die Erste Erwähnung einer Dettinger Wirtschaft findet man in der „Herrschaft und
gründliche Beschreibung“ von Dettingen im Jahre 1680. Dort ist der „Jakob Wolfstim, der rote genannt, Lindwürth allhier“. Einige Seiten weiter wird Jakob Schach als „der ander Würth“ bezeichnet. „Er bewohnt die Täferey welche gnädiger Herrschaft gehört.“¹ Als Täferei wird zur damaligen Zeit eine Wirtstube bezeichnet. Dass es sich bei dieser Täferei um das Gasthaus Adler handelt kann man wegen seine Nähe zum Schloss und durch die Bezeichnung der Herrschaft gehörig, vermuten. Im Jahre 1719 war der Dettinger Mahlmüller Heinrich Kronenbitter der Schatzgräberei angeklagt, vor Gericht gab er zu Protokoll, dass er in Dettingen im Wirtshaus gesessen sei und dort neben Wein auch Schnaps getrunken habe. Dies lässt die Vermutung zu, dass es um 1719 nur ein Gasthaus in Dettingen gab.

Der erste bekannte und benannte Adlerwirt ist dann Josef Kuon. Am 17. Juni 1748 tauschte er sein Gasthaus zum Adler gegen den herrschaftlichen Priorberger Hof. Dies ist die erste nachweisbare Nennung des Gasthofes zum Adler. Der Gasthof wurde gegen den herrschaftlichen Priorbergerhof getauscht. Unter dem herrschaftlich Priorberger Hof müssen wir uns einen Hof vergleichbar dem Glatterhof (Oberhof) vorstellen, jedoch zur Herrschaft Dettingen gehörig. Die Herrschaft wurde damals von den Äbten des Klosters Muri in der Schweiz ausgeübt. Vorher war es Specht von Bubenheim, dieser hatte den Priorherger Hof von den Wernauern und diese wiederum von unserem alten Ortsadel den Herren von Dettingen. Diem von Dettingen hatten den Hof im Jahre 1373 vom Konvent des Klosters Engeltal bei Hallwangen erworben. In der Abschrift der Tauschurkunde zwischen Josef Kuon und der Herrschaft Muri findet man die Unterschriften von: Fürstabt Gerold, dem II. Abt von Muri, Josef Kuon zuvor Adlerwirt, Michael Hinger Schultheiß, Martin Kuon er ist der Sohn von Josef Kuon.² Am Kreuz beim Dr. Bösch kann man lesen, dass dieser Martin mit seinem Weib Christina Becht, das Kreuz am „Hauweag“ stiftete. Schließlich hat auch noch der Sohn Christian Kuon unterschrieben. Der einstige Adlerwirt Josef Kuon zog nun auf den Priorberg, wo er am 21. Oktober 1757 verstarb.

Es gibt Hinweise, dass der Adler dann zum Gesindehaus und Spital der Herrschaft
wurde. Alleine der unterirdische Gang (wahrscheinlich ein Wasserkanal) der das Schloss, ein weiteres Gebäude zwischen Schloss und Forsthaus, das Forsthaus, den alten Pfarrhof und auch das Gasthaus zum Adler, miteinander verband spricht dafür. Sechs Jahre vor dem Tausch, 1742 war in Dettingen ein verheerender Brand, dem ein großer Teil des Dorfes zum Opfer fiel. Vermutlich wurde die Struktur des Dorfes damals neu geordnet und auch der Gasthof neu aufgebaut. Vermutlich erhielt der Gasthof damals durch die Beziehung der damaligen Ortsherren von Muri zu den Habsburgem, den Namen „zum Adler“.

Im Jahre 1763 war in Dettingen eine neue Steuereinschätzung die laut Protokoll auf das
Jahr 1754 zurückgeht. Unter dem Eintrag XI. finden wir: „Wirtschaften betreffend, so befindet sich hier allein das Wirtshaus zum Adler, welches gnädigster Herrschaft zuständig, und eines Beständers, der neben dem Wein- und Branntwein schenken auch ,bierbrauen, bachen, und mezgen darf.“ Weiter wird beschrieben, dass es schon vor dem Tausch anno 1748, „mithin vorher ein bürgerliches und collectables Wirtshaus gewesen“ ist.4  Der genannte  „herrschaftliche Beständer“ war Fidel Breyer von Haigerloch, am 20. Januar des Jahres 1769 ist er verstorben. Seine ersten beiden Söhne sind „im Ausland verschollen“. Die Tochter Franziska war hinweggezogen, die jüngste Tochter in Salzstetten verehelicht. Der Sohn Josef war beim Tod des Vaters 3 Jahre alt. Er ist der nächste Adlerwirt.  Wahrscheinlich hat seine Mutter Maria geb. Dettling, Ehefrau des Fidel, weiter gewirtschaftet bis der Sohn das Geschäft übernehmen konnte.5

Durch die Säkularisation 1803, wurden die Besitztümer der Herrschaft Muri dem Fürstenhaus Hohenzollern zugeschlagen, damit war mit Sicherheit der Gasthof Adler einige Jahre in hohlenzollerischem Besitz. Eines Tages wurde das Gasthaus – ebenfalls wie das Dettinger Schloss, an einen Privatmann, wahrscheinlich an Josef Breyer, verkauft. Nachzuforschen wäre dies im hohenzollerischen Haus – und Domänearchiv, dort müsste man die Verkaufsurkunde noch finden.

Reihenfolge der zur Zeit bekannten Adlerwirte:
Josef Kuon bis 1748.
Fidel Breyer aus Haigerloch bis 1769
Josef Breyer, der Sohn von Fidel Breyer bis 1838
Martin Breyer bis 1843
Georg Blocher bis 1877
Martin Ege bis 1879
Rudolf Roth bis 1893
seine Frau bis 1902
Paul Roht bis 1923
Witwe Maria Roht bis 193166
Josef Hellstern mit seiner Frau bis 1962
Familie Josef Hellstem mit Sohn Theo bis 1968
Theo Hellstem mit seiner Frau Bärbel bis 2001
Sigrid Hellstem

Historie-Adler-Schild

 

 

geschrieben im Herbst 2003
Karl-Josef Sielder

1 Staatsarchiv Sigmaringen: Nr.l HO 163, T3 Nr. 235 Dettingen Herrschaft Muri Glatt I
2 Pfarrarchiv Dettingen
3 Pfarrarchiv Dertingen Familienregister Pag. 103
4 Staatsarchiv Sigmaringen: Bestand, Ho 163 Nr. 52 Bd.2 Film 1998/103
5 Kath. Pfarramt Dettingen: Familienregister II. Band Pag. 243
6 Daten der Wirte ab Fidel Breyer aus einem Zeitungsartikel wahrscheinlich Horber Chronik vom 15.10.1957, Verfasser wahrscheinlich
Steffan Kessler.